»Menschlichkeit am Zug«
Auswanderer, Kriegsheimkehrer, DP's, Heimatvertriebene, Flüchtlinge
Zur Geschichte der Sozialen Arbeit am Bahnhof
Vortrag von Dr. Völcker-Janssen
18.02.2027
19:30 bis 21:00 Uhr
Wolfgang-Bonhage-MUSEUM KORBACH (mit Geopark-Infostelle)
Kirchplatz 234497 Korbach
Eintritt frei
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Bahnhöfe sind soziale Orte, an denen sich viele Zustände der Gesellschaft wie in einem Brennglas bündeln. Dies gilt für die Gegenwart ebenso wie für das 19. und 20. Jahrhundert. In einem Exkurs zu seiner Vortragsreihe über »Abenteurer aus Waldeck« beleuchtet der ehemalige Korbacher Museumsleiter Dr. Wilhelm Völcker-Janssen den Ort, an dem wie an keinem anderen seit 150 Jahren die Vorfreude auf Abenteuer, Lust auf fremde Länder, Hoffnungen auf ein besseres Leben, Tränen des Wiedersehens und des Abschieds, aber auch Sorgen um die eigene Zukunft, die Suche nach Schutz vor Krieg und Vertreibung, die Angst vor Ausbeutung und Gewalt - und heute zunehmend auch gesellschaftliche Probleme wie Wohnungslosigkeit, Armut und Sucht aufeinandertreffen.Im ausgehenden 19. Jahrhundert finden sich zunächst vor allem Frauen in größeren deutschen Städten zusammen, um alleinreisenden jungen Auswanderinnen an Bahnhöfen Schutz und Hilfe in der Fremde anzubieten. Später entstehen aus diesen frühen Initiativen von Frauen für Frauen die Bahnhofsmissionen, deren soziale Arbeit die deutsche Geschichte bis heute widerspiegelt. Denn Bahnhöfe sind Sensoren, an denen sich gesellschaftliche Veränderungen oft zuerst manifestieren. Das Reisen hat sich zwar grundlegend verändert, aber die Ursachen und Gründe für das Weggehen von Zuhause und das Ankommen in der Fremde sind häufig dieselben geblieben. Zugleich haben erstaunlich viele Kriterien sozialer Arbeit, die bereits vor über 100 Jahren entwickelt wurden, bis heute nicht ihre Relevanz verloren.
Waldeckischer Geschichtsverein e. V., Katja König