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Zusatzinformationen

Rhena

Im Naturpark Diemelsee, eingebettet in den waldreichen und hügeligen Ausläufern des Rothaargebirges, liegt das 590-Seelendorf Rhena. Dort, wo aus steilen Berghängen und tief eingeschnittenen Tälern Wasserläufe in einen Talkessel rinnen, entstand vor langer Zeit die Siedlung Rhena als das Dorf an den Wasserrinnen.

Was der Ortsname ursprünglich bedeutete ist wohl nicht bekannt, doch steht fest, dass Rhena im Laufe seiner langen Geschichte wohl bereits viele Namen von Rehon über Ryene bis hin zu Rein hatte. Die erste urkundliche Erwähnung fand bereits im Jahre 980 statt, als Kaiser Otto II. das Dorf Rhena zusammen mit Korbach und Lelbach an das Kloster Corvey abgab und im Gegenzug die wichtige Kaiserpfalz Memleben, heute eine Gemeinde in Sachsen-Anhalt, eintauschte. Offenbar spielten rein strategische Überlegungen in diesem Zusammenhang eine Rolle, lag doch die junge Ansiedlung an den ganz wichtigen Handelswegen, die von Korbach über Usseln und Willingen in Richtung Köln führten. Außerdem hatte der damalige fränkische Reichshof als zentraler Markt- und Gerichtsort eine gewisse Bedeutung

Über den zwischenzeitlichen Besitz der Kirche zu Paderborn wird Rhena schließlich im Jahre 1311 waldeckisches Lehen der Familie zu Rhena, deren Adelsgeschlecht über viele Jahrhunderte mit der Geschichte und der Entwicklung des Ortes verbunden bleibt und die erst mit Johann Heinrich von Rhena im Jahre 1814 erlosch.

Sitz der Herren von Rhena, die lange Zeit auch das Patronat der Kirche innehatten, war die St. Thomas Kirche, heute eine der schönsten Bauten im Waldecker Lande. Man vermutet, dass sich zunächst auf dem Widdehagen, einem 635 m hohen Berg im Upland eine dem Apostel Thomas geweihte Kapelle befand, diese aber später von den Herren zu Rhena durch einen Neubau romanischen Stils im Jahre 1120 auf dem Kleppenberg ersetzt wurde.

Ihr mächtiges Mauerwerk und ihre kleinen Fenster deuten heute darauf hin, dass sie einst eine Wehrkirche war. Das längsrechteckige Schiff der St. Thomas Kirche ist zweijochig. Besonders reizvoll wirken die aufsteigenden Giebel von Rechteckchor, Schiff und Glockenturm mit den gleichmäßig geneigten Satteldächern. Auch im Inneren der Kirche findet der aufmerksame Besucher viele geschichtlich und künstlerisch interessante Details, wenn er durch eine Rundbogenöffnung in das hell strahlende Kirchenschiff gelangt. Sehenswert sind an der Nordwand des Kirchenschiffs ein Abendmahlsbild aus dem Jahre 1800 und an der Südwand ein modernes Bild, die Flucht nach Ägypten darstellend, von 1950. An der linken Chorwand stehen zwei gusseiserne Grabplatten, die der Kirchenpatron Arnolf von Rhena seinen beiden Ehefrauen Catharina, geborene von Padberg und Elisabeth, geborene von Spiegel setzen ließ. An der Chorwand gegenüber ließ er sich selbst noch zu Lebzeiten eine Grabplatte aufstellen, welche die drei Wappen von Rhena, Padberg und Spiegel tragen. Das Wappen und die Helme der Herren von Rhena zierte ein schwarzer Hahn mit rotem Kamm auf goldenem Grund. Manche Wappenforscher vermuten, dass der krähende Hahnenkopf im Schild der Herren von Rhena ein sogenanntes Scherzwappen darstellen könnte, da es im Mittelalter oft Brauch war, bestimmte Wesensmerkmale von Landschaften oder Familiengeschlechtern als Karikaturen im Wappen abzubilden. Oder war der Hahnenkopf mit dem weit aufgerissenen Schnabel etwa eine Warnung, "den Schnabel nicht ganz so voll zu nehmen" ? Oder sollte der Hahn an eine kriegerische Handlung erinnern, als vor vielen Jahren feindliche Soldaten aus Richtung Meschede anrückten und die Bewohner in Panik versetzten. Sofort versteckte man sich samt Hab und Gut im alten Silberberg und verrammelte mit dicken Bohlen den Zugang. Leider hatte man nicht mit dem Hahn gerechnet, der sich durch eine Öffnung ins Freie drängte und aus vollem Halse krähte. Die feindliche Truppe ging dem Geschrei nach, fand die Öffnung im Stollen und nahm dem Volk das Vieh ab. Seitdem heißt der Berg um den Stollen Hahnenberg.

Aber nicht nur diese Herren waren reiselustig...

Acht hessische Bauernfamilien aus dem waldeckischen Rhena wagten wohl nach beschwerlicher wochenlanger Wanderung eine Neuanfang im Sumpf und Urwald der Radegastniederung und brachten dort als Siedler sogar ihren Ortsnamen mit. Rehna, die 2.900 Seelen-Gemeinde in Mecklenburg wurde wahrscheinlich im Jahre 1152 von waldeckischen Rhenaern gegründet. Der frühere Pfarrer von Rhena Friedrich Dieckmann hatte wohl vor gewisser Zeit von einem Ort namens Rehna in Mecklenburg-Vorpommern erfahren. Daraufhin machte sich der ehemalige Ortsvorsteher Baldur Böhmeke auf nach Mecklenburg, um die historischen Wurzeln von Rhena sowie Rehna zu ergründen. Fazit: egal, ob sich die historische Deutung letztendlich eindeutig nachvollziehen lässt, die "Chemie stimmt" zwischen Rhena und Rehna und weitere Treffen werden folgen.

Zum 1025. Jubiläum des Ortes wurden selbstverständlich auch Gäste aus Memleben (Sachsen-Anhalt) sowie Rehna (Mecklenburg) eingeladen. Noch heute erinnern sich die Rhenaer gerne an das großartige Jubiläumsfest.

Rhena ist heutzutage ein Dorf mit guter Infrastruktur. Für Familien mit kleinen Kindern gibt es den Kindergarten "Kükennest" und die Schulkinder gehen vor Ort in die kleinste Grundschule Hessens. Hartnäckigkeit und Zielstrebigkeit ist wohl auch eine Eigenschaft der Rhenaer am Fuße des rauen Voruplandes, denn vor ein paar Jahren verhinderten Eltern- sowie Ortsbeirat und Schulleitung die Schließung der kleinen Dorfschule. Nur eines liegt den Rhenaern nach wie vor ganz stark am Herzen, und zwar die Aufnahme ins hessische Dorferneuerungsprogramm. Im Rahmen der Dorferneuerung würden die rot-weißen Plastik-Pollern, eine Übergangslösung seit knapp 15 Jahren, sicherlich einer besseren Lösung weichen. Auch wenn die Ortsdurchfahrt mit den Plastik-Ecken etwas gewöhnungsbedürftig ist, an Einkaufsmöglichkeiten mangelt es in Rhena nicht. Unter anderem gibt es in Rhena noch "Onkel Otto" mit seinem Lebensmittelladen (statt Tante Emma Laden), eine Metzgerei, Raumgestaltung, Gerüstbauer, Malermeister, Heizungsbetrieb, Schuhmacher. "Egal ob Jung oder Alt, wir schätzen und unterstützen die Betriebe vor Ort, so gut es geht", betont der Ortsvorsteher Friedrich Bunte. Hier gibt es eben noch Handel, Handwerk und Gewerbe. Zur Arbeit pendeln einige Bewohner nach Korbach, Kassel, Bad Arolsen. Für Fahrten nach Willingen oder Korbach werden von den Bewohnern auch gerne Linienbusse (die hier erstaunlicherweise recht oft am Tag halten) oder Anrufsammeltaxis genutzt. Zur Freizeitgestaltung und Erholung gibt es rund um den Ort für Einwohner, Urlauber und Wandersfreunde ein weites Wanderwegenetz mit Ruhebänken, Schutz- und Grillhütte. Der Steinbruch in Rhena ist heutzutage als Naturdenkmal ausgewiesen. Durch die große Rasenfläche wird die Fläche am Steinbruch auch von auswärtigen Vereinen, Kindergärten und Schulen für ihre Veranstaltungen gerne genutzt. Gleich neben der dortigen Grillhütte ist ein weitläufiger Bolz- sowie Spielplatz. Früher wurden die Steine aus dem Steinbruch für den Hausbau und den Eisenbahnbrückenbau verwendet. Der in dem Steinbruch gefundene "Schwarze Marmor" ist wohl kein echter Marmor, sondern ein bituminöser Kalkstein. "Von den Wissenschaftlern wird diese Gesteinsart, egal wo sie gefunden wird, immer noch als "Rhenaer Kalkstein" bezeichnet", so der Ortsvorsteher. Heute ist der alte Steinbruch als Naturdenkmal ausgewiesen. Weiterhin sind das Rhenaer Tretbecken, der Sportplatz und Mehrzweckhalle (in welcher nicht nur gefeiert, sondern auch geturnt wird) Anlaufstellen für Sportbegeisterte. "Die Rhenaer engagieren sich für ihr Dorf und viele sind Mitglied in mehreren Vereinen", so Friedrich Bunte. Eines steht fest: Das Dorf am Tore zum Upland bietet jung und alt ein reges Vereinsleben. Es gibt den Musikverein Rhena e. V., die Freiwillige Feuerwehr, den Sport- und Schützenverein Rhena, den Altenclub, das Deutsche Rote Kreuz, den Verkehrsverein und auch das Seniorenteam. Dieser Verein für rüstige Senioren hat sich der Pflege im und um das Dorf verschrieben. Fazit: Rhena, ein liebenswerter Ort, wo das Vereinsleben noch ganz groß geschrieben wird.