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Zusatzinformationen

Ausflugsziel Kuhbachtal

Naturschutz und Naherholung

Wer meint, diese beiden Begriffe würden nicht zusammen passen, kann sich auf dem Rundwanderweg „Alte Badeanstalt“ zwischen Korbach und Lelbach positiv vom Gegenteil überzeugen lassen. Die rd. 3,1 km lange Wanderung ermöglicht mit zahlreichen Schautafeln und zwei Beobachtungsständen einen guten Einblick in das Feuchtgebiet „Alte Badeanstalt“ sowie den renaturierten Kuhbach, in Korbach liebevoll „die Kuhbach“ genannt. Den Flyer zum Rundwandeweg können Sie hier herunterladen. 

Ein Spaziergang ist daher zu jeder Jahreszeit lohnenswert.

Zahleiche Bänke laden ein zum Verweilen und Genießen dieser wunderschönen Wiesenlandschaft, die auf mehr als 13 ha von Heckrindern „gepflegt“ wird. 

(Heckrinder) Auerochsen 

Heckrinder sind die Rückzüchtung des schon im 17 Jahrhundert ausgestorbenen Auerochsen und damit einer ehemals heimischen Wildtierart. Für die Pflege von extensiven Feuchtflächen sind Heckrinder ideal, da sie sich durch extreme Genügsamkeit, sehr gute Futterverwertung, Winterhärte und Nässetoleranz auszeichnen. Sie können daher auch bei extremen Witterungsbedingungen ganzjährig auf der Weide bleiben, müssen allerdings in den Wintermonaten mit Heu und Mineralstoffen versorgt werden. 

Die mit ihren langen Hörnern urtümlich aussehenden Tiere stellen somit ganzjährig eine besondere Attraktion für das Naherholungsgebiet dar. Anfang April 2003 gab es den ersten Nachwuchs, weitere vier Kälber folgten 2004. So vergrößert sich die Herde auf natürliche Weise und kann ihre arteigenen Herdenstrukturen entwickeln. Weitere Details über die Tiere können Sie auf der Informationstafel neben dem Viehunterstand am Wanderweg erfahren.

Die Auerochsenherde am Kuhbach war die erste im Bundesland Hessen. Initiiert wurde das Projekt durch den Naturschutzbund, Ortsgruppe Korbach e. V., der in enger Zusammenarbeit mit einem Lelbacher Landwirt die Tiere betreut. Finanzielle Unterstützung zur Anschaffung und Haltung der Herde wurde von der unteren Naturschutzbehörde des Landkreises, der Stiftung Hessischer Naturschutz und der Sparkassenstiftung gewährt.

Naturdenkmal “Alte Badeanstalt”

Am 28. Juni 1928 verkündete die Waldeckische Landeszeitung die feierliche Eröffnung der städtischen Badeanstalt. In den folgenden dreißig Jahren bot sie Badespaß für die ganze Familie, bis in den 60er Jahren das Freibad an der Hauer eröffnete. Nun kehrte Ruhe in die “Alte Badeanstalt” ein, und es konnte sich im Laufe der Jahre ungestört ein wertvolles Feuchtbiotop einwickeln.  
Im Winterhalbjahr 1993 gab es erneut umfangreiche Bautätigkeiten. Mit äußerster Sensibilität waren unter Beteiligung der unteren Naturschutzbehörde Waldeck-Frankenberg sowie des Naturschutzbundes Korbach Umgestaltungen geplant worden: So wurden die noch vorhandenen Betonmauern des Schwimmbeckens entfernt, die Ufer abgeflacht und das ehemalige Umkleidegebäude abgerissen.
Heute stellt die „Alte Badeanstalt“ ein wertvolles Feuchtbiotop dar, das in seiner Ausprägung einmalig im hiesigen Raum ist. Die Entwicklung des Gebietes und sein Wert für die heimische Tierwelt werden auf zwei Informationstafeln am dortigen Beobachtungsstand erläutert.

Vogelwelt

Als größtes zusammenhängendes Feuchtgrünlandgebiet im Raum Korbach stellt das Areal schon seit jeher einen interessanten Brut- und Rastplatz für die heimische Vogelwelt dar. Aufgewertet durch Hecken, Baumgruppen und eine Streuobstfläche sowie die beiden Feuchtgebiete „Alte Badeanstalt“ und „Öhl´s Teich“ und schließlich den renaturierten Kuhbach grenzen vielfältige Lebensräume auf engstem Raum aneinander.

 Dies bietet nicht nur charakteristischen Heckenbrütern wie dem Neuntöter und der Dorngrasmücke einen geeigneten Lebensraum, sondern auch typische Wiesenvögel wie die Feldlerche, der Wiesenpieper und das Braunkehlchen stellen sich ein. An den Wasserflächen brüten Teich- und Blässhuhn, Stock- und Reiherente sowie der heimliche Zwergtaucher. Bis zu 15 Graureiher gleichzeitig nutzen sowohl die Wasser- wie auch die Wiesenflächen zur Nahrungssuche. Der breite Ufersaum entlang des Kuhbaches beherbergt Rohrammer und Sumpfrohrsänger, deren Dienste auch der Kuckuck für seinen Nachwuchs gern in Anspruch nimmt.

Nahrungsgäste wie Rotmilan, Baumfalke und Raubwürger nutzen regelmäßig das reichhaltige Beutespektrum und während der Zugzeiten finden sich Wasser- und Watvögel bis hin zum Weißstorch ein. Selbst im Winter bietet der jetzt wieder frei plätschernde Kuhbach Rückzugsräume für Zwergschnepfe und Bekassine während auf den ganzjährig beweideten Wiesen Raben- und Saatkrähen sowie Dohlen und Stare erfolgreich nach Nahrung suchen, wobei diese wieder den Hunger von Habicht, Sperber und Wanderfalke stillen.

Kuhbachrenaturierung

Der Kuhbach zwischen Öhl´s Teich und der B 251 wurde im Jahr 2001 auf einer Länge von rd. 700 m renaturiert. Dabei wurde das Gewässer in sein ursprüngliches Bett im Geländetiefpunkt rückverlegt, wobei nur ein uhrenglasförmiges Bachbett vormodelliert wurde. So kann sich das Gewässer auf einer Breite von drei bis vier Metern seinen eigenen Verlauf suchen. Finanziert wurde die Maßnahme von der Europäischen Union, vom Land Hessen und durch die Stadt Korbach als Ersatzmaßnahme für ein Baugebiet in der Kernstadt.

Beidseitig des Baches ist ein mindestens 10 m breiter Sukzessionsstreifen ausgezäunt. Hier kann die Natur sich ohne Bewirtschaftung frei entfalten.

Durch die Anlage einer großen Blänke (seichte Wasserfläche) hinter dem Beobachtungsstand sind insbesondere für Wasservögel und Wiesenbrüter interessante Flächen entstanden, die schon im ersten Jahr nach der Renaturierung als Futter- bzw. Brutplätze genutzt wurden. Informationstafeln am Wanderweg geben Einblick in den Zustand vor und nach der Bauphase.